Ihre Meinung!

27.12.20

Hallo, liebe BI-ler, liebe Offenbacherinnen und Offenbacher,

ich habe gerade einen äußerst interessanten, aber zugleich auch sehr
erschreckenden Artikel im Spiegel gelesen. Dieser handelt von der allgemein
schon bekannten Wasser- bzw. Grundwasserknappheit in Deutschland. Diese,
vielleicht von vielen Menschen unterschätzte und weitreichende Problematik,
ist mit der in Offenbach angestrebten Ölaufsuchung und späteren Förderung
absolut nicht vereinbar. Über diesen Artikel aus dem Spiegel bin ich auf
einen Link aufmerksam geworden, der von dem bekannten Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung stammt. In diesem ist der deutschlandweite Zustand des
verfügbaren Wassers in verschiedenen Ebenen zu sehen. Ganz schlecht sieht es
damit auch im gesamten Oberrheingraben aus, wozu auch unsere Region zählt.
Schaut Euch bitte mal die beiden folgenden Links an, die einem unweigerlich
die Augen öffnen sollten.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/duerre-boden-in-deutschland-leidet-unter-regenmangel-a-9fa6df06-11b9-4bc4-8ae3-54a8edb52096

https://www.ufz.de/index.php?de=37937

Ich will damit niemandem die letzten Tage des Jahres, in der schon durch
andere Probleme aufgeladenen Zeit, noch weiter reduzieren. Sondern, ich
möchte der BI Kein Erdöl aus Offenbach und allen weiteren Gegnern des
Offenbacher Vorhabens noch mehr wissenschaftliche Fakten an die Hand geben,
um damit den Politikern aus Gemeinde und übergeordneten Ebenen mal die
Initialzündung für den uneingeschränkten Widerstand gegen die Bohrung zu
geben. Mir und einigen anderen Mitbürgern, insbesondere aus den politischen
Gemeinde- und Verbandgemeindegremien, fällt zunehmend das passive und
widerstandslose Handeln der Offenbacher Gemeinde- und
Verbandsgemeindepolitik gegen das Ölprojekt auf, welches der Bürgermeister
zu vertreten hätte.

Ich erinnere:

Am 05.12.2019 wurde bei einer Verbandsgemeinderatssitzung in Offenbach eine
Resolution des VG-Rates beschlossen und verabschiedet, in der klar und
deutlich steht, dass der VG-Rat den Bürgermeister Herr Wassyl nebst seiner
Verwaltung damit beauftragt, alles Mögliche zu tun, um Probebohrungen sowie
die spätere Erdölförderung zu verhindern. Diese Resolution wurde einstimmig,
mit 3 Enthaltungen, aber mit Zustimmung des Bürgermeisters beschlossen, was
ein klares Bekenntnis gegen die Bohrung darstellt. Einige Tage zuvor wurde
vom Vorstand der BI, Herrn Adam, in der Offenbacher Gemeinderatssitzung eine
Unterschriftenliste von 1900 Ölgegnern an Herrn Wassyl übergeben, was
alleine schon einen klaren Auftrag an die Gemeindespitze darstellt.

Was ist aus allem nun geworden? Die BI sowohl auch die politischen
Gremienvertreter als auch die Bürgerschaft konnten bislang aus dem Auftrag
an den Bürgermeister bzw. die Verwaltung nicht viel, oder besser gesagt
keine konstruktive Tätigkeit gegen das Ölvorhaben wahrnehmen. Was wurde,
außer ein paar beschwichtigenden Worten oder Kontaktaufnahmen ohne
Ergebnisse getan ???

Aber zurück zum wohl erdrückendsten Argument gegen die Bohrung. Unser
Grundwasser. Wir haben in unserer Region, direkt im Gebiet der
Verbandsgemeinde, schon erhebliche Grundwasserdefizite. Schäden dadurch
haben wir schon in erheblichem Maß in unseren Queichwaldungen. Es werden
Baumbestände geschwächt, wodurch sie einen stärkeren Befall von
Schaderregern bekommen, andere sterben schon direkt durch den gesunkenen
Grundwasserspiegel ab. Die Ursachen des fehlenden Wassers sind verschiedener
Natur. Zum einen fehlen die ausreichenden Niederschläge, um den
Wasserhaushalt wieder aufzufüllen, zum anderen wird mehr Wasser durch
landwirtschaftliche Beregnungsbrunnen aus der Tiefe entnommen, als dem
Grundwasserspiegel zuträglich ist. Seit vielen Jahren gibt es in dieser
Sache eine sich immer mehr zuspitzende Disharmonie. Die Landwirte entnehmen
immer mehr Wasser, um zum Teil unnötig und schlecht erzeugte Feldfrüchte
immer billiger auf den Markt zu bringen. Die Erzeugung dieser Feldfrüchte
geht nicht ohne Bewässerung, aber sie muss intelligenter und damit
effizienter wie auch in der Menge dem Markt angepasster werden. Über eine
Erhöhung der momentan schon überzogenen Wasserentnahme zu denken, welche
durch die Gründung eines Beregnungsverbandes schon seit längerem im Gespräch
ist, verbietet sich schon aus genannten Gründen von selbst. Aber auch da ist
Herr Wassyl offensichtlich anderer Meinung.

Jetzt soll noch für eine Ölbohrung weiteres Grundwasser aus unseren Tiefen
in großen Mengen entnommen werden. Für eine wirtschaftliche Ölförderung in
unseren Breiten, werden zunehmend große Wassermengen gebraucht, auch wenn
die Bohrfirmen uns da von anderen Praktiken erzählen. Egal, ob wir in ein
paar Jahren dieses „heimische Erdöl“ überhaupt noch brauchen oder nicht,
darf dessen Gewinnung nicht zu Lasten des heimischen Grundwassers gehen,
welches für unsere Natur schon jetzt nicht mehr ausreichend zur Verfügung
steht. Es ist zudem das wertvollste und lebensnotwendigste Produkt auf
unserer Erde. Das weiß nur noch nicht jeder!!! Schon genug, dass damit
weitere wertvolle Wasserressourcen für immer und ewig vernichtet werden. Es
besteht auch die Gefahr durch unvorhersehbare Bohrunfälle, Bohrfehler,
Undichtigkeiten der Bohrinfrastruktur und weitere viele andere
Möglichkeiten, dass Grundwasser verunreinigt wird. Das wäre nicht das erste
Mal, siehe Betriebsunfall in Emlichheim/Niedersachsen. Über die Setzungen,
Hebungen, Verschiebungen bis hin zu aktiven Bewegungen unter der Ortslage
von Offenbach, will ich mich gar nicht groß auslassen, denn dazu fehlt mir
das ausreichende Fachwissen. Aber auch da steckt Gefahrenpotential dahinter.

Die Gründe, die für einen sofortigen Stopp des Ölbohrvorhabens sprechen,
sind so vielfältig und von existenzieller Natur geprägt, dass ein
vernünftiger und zukunftsgerichteter Menschenverstand diesem Begehren ein
absolutes „Nein“ erteilen muss!!!

Deshalb, meine große Bitte liebe BI: Nehmt dieses von mir, äußerst wichtige,
wenn nicht gar lebenswichtige Grundwasserthema dringendst auf Eure Agenda,
um damit, vielleicht als einzige Chance, gemeinsam mit der Einsicht der
Politik, die Bohrung in Offenbach zu verhindern. Einzubinden in die
Verantwortung sind hier gleichermaßen die SGD-Süd in NW, das Ministerium
MWVLW-RLP in Mainz, noch mit Herrn Dr. Wissing sowie das daran angegliederte
Prüforgan LGB-RLP ebenfalls in Mainz.

Wenn die politische Gemeinde Offenbachs dieses Projekt aus tiefster
Überzeugung verhindern möchte, dann soll sie jetzt, aber wirklich jetzt und
sofort aufstehen, ihre Hausaufgaben machen, die ihr durch die Resolution und
die 1900 Unterschriften aufgegeben wurden, und gemeinsam mit der BI sowie
allen Ölgegnern Seite an Seite, gegen dieses in allen Belangen
rückwärtsgewandte Vorhaben kämpfen.

Ich wünsche der gesamten „Bürgerinitiative Kein Erdöl aus Offenbach“, allen
anderen engagierten Mitstreitern sowie auch der Gemeinde Offenbach in ihrem
Streben gegen diese Bohrung, sehr viel Glück und Erfolg.

Noch ist nicht gebohrt. So soll es bleiben.

Viele Grüße

Kuno Volz

3 thoughts on “Ihre Meinung!

  1. Gensheimer, Fritz

    So langsam versteht man das alles nicht mehr.
    Einerseits die geplante Klimawende, u.a. mit der Reduzierung fossiler Brennstoffe.
    Andererseits soll bei Offenbach nach Erdöl gebohrt (und gefördert) werden.

    Wie passt das zusammen ?

    Geplant sind anfangs ca. 500 Tonnen tägliche Förderung. Bei angenommmener
    90%-Ausbeute (well-to-tank) ergibt das ca. 450.000 Liter Kraftstoff oder ca. 9.000 Tankfüllungen á 50 Liter.

    Wenn wir alle ab sofort einfach mal den Verbrauch von Benzin, Diesel, Kerosin usw. einschränken würden wäre das doch auch eine Möglichkeit auf zusätzliche Erdölförderungen zu verzichten.
    Aber solange man auf den Billigurlaub in der Türkei (oder anderen fernen Ländern), auf Kreuzfahrten oder unsinnige Autofahrten nicht verzichten möchte bleibt das Ganze zumindest doppelzüngig.

    Und das ist auch die Kirche die das Ackergrundstück profitabel an das Konsortium Neptun Energy und Palatina Geocon verkauft hat obwohl der Pächter auch kaufen wollte.
    Aber freitags dann die Glocken läuten lassen für den Klimawandel…

  2. Beck, Frank

    Hallo,
    ich habe mir die Unterschriftsliste bei der letzten Versammlung mitgenommen und mehrfach kopiert.
    Wie in der Bürgerversammlung besprochen, klingelte ich bei meinen Nachbarn und habe mit Freunden/Bekannten gesprochen.
    Es war leider erschreckend wie wenig die Offenbacher sowohl über die potentiellen Gefahren als auch über die Möglichkeit des Protestes durch ihre Unterschrift wussten.

    Sehr erfreulich dagegen war, dass lediglich 2 von ca. 60 Personen nicht unterschrieben, da sie sich aufgrund der vorliegenden Informationen keine Meinung bilden konnten.

    Mein Fazit:
    Es gibt sehr vielen Bürgerinnen und Bürger in Offenbach die gegen die Erdölbohrung sind.
    Die Frage ist nur, wie die Informationen in Offenbach und vor allem in der Umgebung besser gestreut werden können.

  3. Christine Gabel

    Die Rede von Karlheinz Adam, Vorstand dieser BI am 20.09.2019 auf der Klima-Demo in Landau

    Hallo Freunde unserer Umwelt und des Klimaschutzes,
    mein Name ist Karlheinz Adam und ich stehe hier im Namen der Bürgerinitiative Kein Erdöl aus Offenbach e.V.
    Wir sind seit diesem Sommer ein eingetragener Verein und haben uns gegründet, weil wir gegen die geplanten Ölbohrungen durch die Firma Neptune Energy unter Offenbach etwas tun wollen. Die Firma Neptune Energy plant 1,5 km südlich von Offenbach den Bau einer industriellen Ölförderanlage, wofür eine Fläche von 20 000m² inmitten der Natur versiegelt wird. Von diesem Standort aus ist eine Horizontalbohrung unter Offenbach geplant. Es sollen täglich ca. 500 t Öl gefördert werden, welches per LKW abtransportiert werden muss. Dies bedeutet, dass 20 LKWs Tag und Nacht, werktags wie sonntags sowohl leer als auch beladen durch unsere Ortschaften rollen werden. Eine solche Erdölförderung widerspricht den Zielen unseres Klimaschutzes, denn wir fordern den Ausstieg aus fossilen Energien. Das Fördern des Öls in den geplanten Dimensionen hat eine Absenkung des Grundwasserspiegels zur Folge, denn durch die Entnahme großer Mengen von Grundwasser, das zur Aufrechterhaltung des Förderdrucks in die Lagerstätte gepresst wird, ist dieses Wasser für alle Zeit unserem Trinkwasservorrat entnommen. Es besteht die Gefahr der Grundwasserverschmutzung durch Öl, giftige Stoffe und Chemikalien die sowohl zum Bohren, als auch später zum Fördern des Erdöls benutzt werden. Eine gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung in Folge von Luft-und Bodenverschmutzung durch Quecksilber, Benzol, radioaktive Stoffe und noch viele andere Stoffe, die durch das Abfackeln der mitgeförderten Gase in mitten der Natur freigesetzt werden, wird hier in Kauf genommen.

    Leute das kann’s nicht sein!!!

    Dem wirtschaftlichen Erfolg eines einzelnen globalen Unternehmens stehen unumkehrbare Schäden an Natur und Mensch gegenüber. Dagegen müssen wir uns gemeinsam wehren!
    Wer Interesse hat, uns zu unterstützen, den bitte ich über unsere Homepage http://www.kein-erdoel-aus-offenbach.de Kontakt mit uns aufzunehmen.

    Eines möchte ich noch loswerden: Wir, die Menschen die hier leben, sind es unseren nachfolgenden Generationen schuldig, ein solches Projekt im Hinblick auf Mensch und Natur mit all unseren Möglichkeiten zu verhindern. Gleichzeitig bitte Euch aber auch dieses Projekt zum Anlass zu nehmen und umzudenken… weg von fossilen Brennstoffen und den riesigen Mengen an Plastikmüll, die wir tagtäglich produzieren, hin zu Erneuerbaren Energien… damit in Zukunft auf die Erdölförderung und die Ausbeutung unserer letzten Ressourcen verzichet werden kann. DAS muss unser Ziel und auch das Ziel unserer Politiker sein. Dafür sind wir heute so zahlreich zusammengekommen.

    Danke möchte ich noch an dieser Stelle sagen, dass wir, die Bürgerinitiative Kein Erdöl aus Offenbach hier die Chance bekommen haben, uns vor so vielen Freunden des Umwelt- und Klimaschutzes vorzustellen.
    Danke für Eure Unterstützung!
    Vielen Dank!!

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